Wenn Algorithmen Frauenhass
und Körperwahn empfehlen
Die Manosphere formt das Weltbild junger Männer und beeinflusst somit teilweise mehrere Generationen.
Wir zeigen euch, was die Daten aussagen und versuchen das Thema einzuordnen.
Andrew Tate ist kein Nischenphänomen. Er ist für die meisten Jungen dieses Alters bereits präsent.
Was Eltern und Schule als Frauenhass lesen, erleben viele Jungen als Orientierung, Stärke und Identität.
Das ist die eigentliche Herausforderung.
Egal ob Sport, Fitness oder Games gesucht wird, der Algorithmus bringt Frauenhass von selbst. Nach 2–3 Stunden Nutzung ist die große Mehrheit der Vorschläge auf beiden Plattformen bereits problematisch.
gerne ändern
Mehr als die Hälfte aller 11–17-Jährigen möchte etwas an sich verändern und Social Media setzt hierbei häufig den Standard.
Looksmaxxing-Foren dokumentieren und bewundern alle drei Stufen.
Bone Smashing – Hammerschläge auf Knochen für eine schärfere Kinnlinie – ist keine Übertreibung. Es ist der nächste Schritt in einer Logik, die mit Mewing beginnt.
28 % der 11- bis 17-Jährigen haben schon über einen ästhetischen Eingriff nachgedacht. Das ist sofern problematisch, da in einer Zeit von Social Media, Filter, Facetuning und PSL-Skalen den Maßstab setzen.
Quellen:
Hope Not Hate – State of Hate 2023 ·
Dublin City University – Algorithmic Toxicity on TikTok & YouTube Shorts (2024) ·
Servicestelle Kinder- und Jugendschutz – Manosphere (2025) ·
ISPA / Saferinternet.at – Schönheitsideale im Internet, Studie 2024 ·
BARMER – Looksmaxxing: Was steckt dahinter? (2024)
Stand: August 2026
Wer die Sprache der Manosphere und des Looksmaxxing kennt, erkennt Radikalisierungsprozesse früher – und kann gezielter ins Gespräch kommen.
„Involuntary Celibate“: unfreiwillig zölibatär. Incels deuten romantische Erfolglosigkeit als Verschwörung von Frauen. Viele Foren radikalisieren schrittweise zu Frauenhass und Gewaltfantasien.
Metapher aus „Matrix“: die rote Pille zeigt angeblich die Wahrheit – dass Frauen die Gesellschaft manipulieren. Einstieg in ein Weltbild, das Gleichberechtigung als Täuschung begreift.
Das nihilistische Extrem: Aussehen und Schicksal sind genetisch festgelegt – Veränderung ist sinnlos. „Black-Pilled“ zu sein bedeutet, jede Hoffnung aufzugeben. Diese Ideologie steht hinter mehreren dokumentierten Anschlägen.
„Men Going Their Own Way“: Männer, die alle Beziehungen zu Frauen komplett ablehnen. Was als persönlicher Rückzug wirkt, ist in vielen Foren mit tiefer Misogynie unterlegt.
Der idealisierte Mann der Szene: genetisch attraktiv, dominant und sexuell erfolgreich. Direktes Gegenbild zum Incel – ein Ideal, das Unzufriedenheit systematisch produziert.
Abwertung für Männer, die Frauen respektieren, helfen oder Gefühle zeigen. Die Szene nutzt diesen Begriff, um Empathie zu beschämen und soziale Isolation zu normalisieren.
Männer, die auf Attraktivitätsskalen so niedrig bewertet werden, dass sie als nicht gleichwertig gelten. Normalisiert Entmenschlichung und ist eng mit Gewaltfantasien verknüpft.
Dominanzhierarchien, die Männlichkeit in Stufen einteilen. „Sigma“ (Tates Selbstbild) steht angeblich über dem System. Die Kategorien rechtfertigen Kontrolle über andere als Stärke.
„Lie Down And Rot“ – totale Resignation. Wer LDAR betreibt, hat jeden Versuch sozialer Teilhabe aufgegeben. Frühzeichen für schwere depressive Zustände, das im Schulalltag oft übersehen wird.
Ausrede oder Selbstbetrug. Jemanden des „Coping“ zu bezichtigen heißt: „Du lügst dir vor, dass es Hoffnung gibt.“ Die Szene entwürdigt realistische Selbstwahrnehmung als Schwäche.
Bewertungsskala für Attraktivität (1–10), benannt nach drei Incel-Foren. Profile werden mit Fotos öffentlich bewertet – wer niedrig landet, gilt als „subhuman“. Systematische Entmenschlichung durch Zahlen.
Harmlos wirkende Einstiegsstufe: Skincare, Frisur, Kleidung, Fitness. Für viele Jugendliche der erste Schritt in eine Spirale, die zu Hardmaxxing oder Bone Smashing führt.
Risikoreiche Optimierung: Mewing, Testosteron-Kuren, extreme Diäten, ästhetische Eingriffe. In Foren werden Methoden mit dokumentierten Gesundheitsschäden geteilt und bejubelt.
Pseudowissenschaftliche Zungenübung, die angeblich Kiefer- und Wangenstruktur verändert. Keine wissenschaftliche Evidenz – aber Millionen Views auf TikTok und YouTube.
Hammerschläge auf Wangenknochen für eine „schärfere“ Kinnlinie. Medizinisch gefährlich bis lebensgefährlich. In Foren als legitime Methode behandelt – mit Vorher-Nachher-Bildern beworben.
Ursprünglich positiver Begriff für persönliche Transformation – in Looksmaxxing-Foren zur Einstiegstür. Wer einen „Glow Up“ sucht, landet schnell bei PSL-Skalen und Subhuman-Kategorisierungen.
Wissen ist der erste Schritt.
Handeln ist der zweite.
mindful.media setzt genau dort an, wo die Kommission es empfiehlt:
mit niedrigschwelliger Begleitung für Familien und evidenzbasierter Prävention für Einrichtungen.
Hilfe finden
31 kuratierte Anlaufstellen in 4 Kategorien: von Beratungshotlines über Meldestellen bis zu Datenschutzbeauftragten.
Zusammengestellt von mindful.media.
Hier findest du eine Auswahl hilfreicher Anlaufstellen rund um Medien, Beratung, Schutz und Rechte. Sorgfältig zusammengestellt von mindful.media. Klappe einfach die gewünschte Kategorie auf.
| Portal | Beschreibung | Link |
|---|---|---|
| klicksafe.de | EU-Initiative für Medienkompetenz – Infos, Unterrichtsmaterialien, Kampagnen für Kinder, Eltern & Lehrkräfte | → klicksafe.de |
| schau-hin.info | Initiative von ARD, ZDF, Bundesregierung – Mediennutzung von Kindern und Tipps für Eltern | → schau-hin.info |
| handysektor.de | Medienanstalt NRW – Ratgeber rund um Smartphones und Apps für Jugendliche und Eltern | → handysektor.de |
| youngdata.de | Jugendportal zu Datenschutz und digitalen Rechten – für Jugendliche ab ca. 12 Jahren | → youngdata.de |
| internet-abc.de | Plattform für Erstnutzer:innen: kindgerechte Erklärungen, Elterntipps und Materialien | → internet-abc.de |
| elternguide.online | Schnelle, praxisnahe Informationen zu Apps, Spielen und Plattformen – speziell für Eltern | → elternguide.online |
| jugendschutz.net | Clearingstelle Jugendmedienschutz – prüft und beobachtet Inhalte im Netz | → jugendschutz.net |
| juuuport.de | Peer-Beratung von Jugendlichen für Jugendliche – Online-Beratung bei Cybermobbing u. a. | → juuuport.de |
| feelok.de | Gesundheitsportal für Jugendliche – u. a. Themen Stress, Sucht, Medienwelt | → feelok.de |
| fragfinn.de | Kinderfreundliche Suchmaschine (6–12 J.) – nur geprüfte Seiten, keine Werbung | → fragfinn.de |
| medien-kindersicher.de | Anleitungen zur Einrichtung von Kindersicherungen auf allen gängigen Geräten und Plattformen | → medien-kindersicher.de |
| Angebot | Telefon / Kontakt | Zielgruppe & Zeiten |
|---|---|---|
| Nummer gegen Kummer – Kinder & Jugendliche | 116 111kostenlosMo–Sa 14–20 Uhr | Für Kinder und Jugendliche, die Rat und ein offenes Ohr suchen |
| Nummer gegen Kummer – Elterntelefon | 0800 111 0 550kostenlosMo–Fr 9–17 Uhr, Di & Do bis 19 Uhr | Beratung für Eltern bei Erziehungsfragen und Familienproblemen |
| Telefonseelsorge | 0800 111 0 111kostenlos 0800 111 0 22224/7 – rund um die Uhr | Anonyme Krisenberatung für alle Menschen, jeden Tag, zu jeder Stunde |
| mediensuchthilfe.info | → mediensuchthilfe.infoOnline-Beratung & Selbsthilfe | Informationen und Beratung bei problematischer Mediennutzung und digitaler Sucht |
| Weisser Ring | 116 006kostenlostäglich 7–22 Uhr – Opfer-Telefon | Soforthilfe für Kriminalitätsopfer – auch bei Online-Betrug und digitaler Gewalt |
| HateAid | → hateaid.orgBeratung & rechtliche Unterstützung | Hilfe bei digitaler Gewalt, Hass im Netz und Deepfakes |
| DHS Suchtberatung (Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen) | → dhs.de/suchthilfe/suchtberatungBundesweite Beratungsstellensuche | Bundesweite Suchtberatung inkl. Medienabhängigkeit – anonym und kostenlos |
| Stelle | Zuständigkeit | Kontakt |
|---|---|---|
| BKA – Bundeskriminalamt | Meldung strafbarer Inhalte im Internet (Kindesmissbrauch, Terrorismus u. a.) | → bka.de |
| Internet-Beschwerdestelle | Gemeinsame Beschwerdestelle von eco & FSM – illegale und jugendschutzrelevante Inhalte melden | → internet-beschwerdestelle.de |
| jugendschutz.net – Meldestelle | Meldung von Inhalten, die Kinder und Jugendliche gefährden | → jugendschutz.net/meldestelle |
| BKA – Meldestelle Hetze im Internet | Zentrale Meldestelle für strafbare Hetze und Gewaltaufrufe im Netz | → bka.de/meldestelle-hetze |
| REspect! im Netz | Anlaufstelle gegen digitale Gewalt und Diskriminierung – Jugendstiftung Baden-Württemberg | → respectimnetz.de |
| eco – Beschwerdestelle | Verband der Internetwirtschaft – Beschwerden zu illegalen Online-Inhalten | beschwerden@eco.de |
| Medienanstalt Hamburg/SH | Zuständige Landesmedienanstalt für Hamburg und Schleswig-Holstein | → ma-hsh.de |
| Organisation | Schwerpunkt | Link |
|---|---|---|
| Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) | Bundesweite Verbraucherberatung inkl. digitale Dienste, Abzocke und AGB-Fragen | → vzbv.de |
| Verbraucherzentrale Hamburg (vzhh) | Lokale Beratung in Hamburg – persönlich, telefonisch und online | → vzhh.de |
| Datenschutz Hamburg | Hamburgische Beauftragte für Datenschutz und Informationsfreiheit – Beschwerden und Beratung | → datenschutz.hamburg.de |
| Unabhängiges Datenschutzzentrum SH | Datenschutzaufsicht für Schleswig-Holstein inkl. Schulen und öffentliche Stellen | → datenschutzzentrum.de |
| BfDI – Bundesbeauftragter für Datenschutz | Bundesbehörde für Datenschutz und Informationsfreiheit – Beschwerde und Auskunft | → bfdi.bund.de |
| Digitalcourage e. V. | NGO für digitale Grundrechte – Kampagnen, Beratung, Datenschutz-Ratgeber | → digitalcourage.de |
Stand: Juni 2026 · Zusammengestellt von mindful.media
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Einordnung & Erfahrungen · Kapitel 12
Zwischen Körperbild, Fitness und Männlichkeitsidealen
Das Vokabular der sogenannten Szene ist mir bei meinen Schüler:innen bislang nicht direkt begegnet. Wohl aber beobachte ich angrenzende Verhaltensmuster. Besonders bei älteren Schülern spielt die Fitness-Szene eine Rolle, andere Einflüsse zeigen sich bisher eher subtil.
Beim Thema Körperunzufriedenheit sehe ich einen wichtigen Unterschied zwischen Mädchen und Jungen, den auch die Forschung beschreibt:
Mädchen orientieren sich stärker an Schlankheitsidealen, Jungen eher an einem muskulösen Körperbild. Beide Gruppen wünschen sich dabei ähnlich häufig eine Veränderung ihres Körpers. Gleichzeitig zeigt sich ein Unterschied darin, wie sich diese Ideale auf das eigene Selbstbild auswirken:
Bei Mädchen steht die stärkere Verinnerlichung des Schlankheitsideals nachweislich mit einem niedrigeren Selbstwert in Zusammenhang. Der Druck ist also nicht für alle gleich, selbst wenn einzelne Prozentzahlen zunächst ähnlich aussehen.
Auch als Vater eines Sohnes beschäftigt mich dieses Thema persönlich. Besonders patriarchale Rollenbilder sind meiner Frau wichtig, gleichzeitig geht es für mich ganz konkret um die Frage, welches Verhalten ich meinem Sohn vorlebe.
Eltern und Kolleg:innen, die bei einem Jungen erste problematische Entwicklungen beobachten, würde ich deshalb nicht zu Verboten oder einer konfrontativen Haltung raten. Gerade wenn ein Jugendlicher sich ohnehin ausgegrenzt oder nicht verstanden fühlt, kann eine reine Abgrenzung die Distanz zu anderen Weltbildern möglicherweise noch verstärken.
Wichtiger ist aus meiner Sicht echtes Interesse und ein Gespräch über Rollenbilder, Respekt und Gleichstellung. Dazu gehören auch alternative Vorstellungen davon, was es bedeutet, ein Mann zu sein: nicht Dominanz und Härte, sondern Verantwortung, Fürsorge, Empathie und die Fähigkeit, über eigene Gefühle zu sprechen.
Jungen müssen erleben dürfen, dass sich um sich selbst und um andere zu kümmern keine Schwäche ist.